Sprachpolitik in der Region Elsass-Lothringen ab dem 17. Jahrhundert

Die Region Elsass-Lothringen im Herzen Europas befindet sich nach wie vor in einer ungewöhnlichen sprachlichen Situation: Während aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Frankreich seit 1945 Französisch Nationalsprache ist, halten sich weiterhin die beiden germanischen Dialekte Alemannisch und Rheinfränkisch - mit ihrer hochdeutschen Verschriftung - vorwiegend im familiären Bereich und verstärkt in den ländlichen Gegenden.

Der besondere Status dieser Region zeigt sich bereits im 9. Jahrhundert n. Chr., als sich am 14. Februar 842 Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche mit den "Straßburger Eiden" gegenseitig auf Althochdeutsch und Altfranzösisch Unterstützung schwören: Für beide Sprachen ist es das älteste Denkmal.

300 Jahre wechselvolle Geschichte, in deren Verlauf besonders zum Ende hin die einzelnen Sequenzen politischer Zugehörigkeit zu Frankreich oder Deutschland immer kürzer wurden, hatten verheerende Folgen für die sprachliche Situation: Innerhalb kürzester Zeit war die Bevölkerung immer wieder gezwungen, die Sprache der jeweiligen Nation, der sie gerade angehörte, zu erlernen, während die vorherige nun verboten war. So kam es, dass Kinder, Eltern und Großeltern unterschiedliche Nationalsprachen beherrschten und ihnen lediglich der Dialekt als gemeinsames Kommunikationsmittel blieb. Regierungen, die weit entfernt in Berlin oder Paris ihren Sitz hatten, ergriffen sprachpolitische Maßnahmen, die sich nicht nur auf die Bereiche Bildung, Kirche und öffentliches Leben erstreckten, sondern teilweise auch gravierend in das private Leben eingriffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war dann die Ablehnung alles Deutschen in dieser Region, die sehr unter der deutschen Besatzung zu leiden hatte, so groß, dass die Dialekte, die eng mit der Kultur der Region verbunden sind, vom Aussterben bedroht waren. Erst Ende der 60er Jahre fand dann eine Rückbesinnung auf den besonderen doppelten kulturellen Status der Region statt: In den Grundschulen wird nun bilingualer Unterricht sowohl in Französisch, als auch in Deutsch eingeführt, an den Volkshochschulen werden Elsässischkurse gegeben. Die Region bemüht sich, die beiden einstigen Erbfeinde Deutschland und Frankreich einander näher zu bringen, denn nur wenn sich die beiden Länder versöhnen ist die Gefahr für diese Region, weiterhin der Spielball der Großen zu sein, gebannt.

Die fatalen Maßnahmen des Gedankens "une nation, une langue", wie er während der Französischen Revolution propagiert wurde und die großteils tragischen, teils aber auch durchaus unfreiwillig komischen Folgen davon sollen in meiner Arbeit "Sprachpolitik in der Region Elsass-Lothringen ab dem 17. Jahrhundert" dargestellt werden, ebenso wie die Auswirkungen auf die Sprache und die Kultur sowie ihre damit verbundenen Herausforderungen und Chancen.

Annick Zöltsch

- Elsass - Franzose -

Mis à jour le 15-Jui-2004.